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08.03.2008 Internationaler Frauentag

Jedes Jahr am 8. März wird rund um den Globus von Frauenorganisationen verschiedenster Art der Weltfrauentag mit Veranstaltungen, Aktionen, Demonstrationen und Musik begangen. Wie dieser Gedenk- bzw. Feiertag erklärt werden kann oder wie alles begann, ist Gegenstand unterschiedlicher Entstehungstheorien mit einem Hauch Mythos. 

Die „russische“ Version der Entstehung sieht in einem Streik der Arbeiter- und Soldatenfrauen am 08.03.1917 (nach russischem Kalender der 23.Februar) in St. Petersburg nicht nur den Auslöser der Februarrevolution, sondern auch die Erklärung für das Datum des Weltfrauentags. Zu Ehren der Rolle der Frauen während der Revolution wurde 1921 auf der Zweiten Internationalen Konferenz kommunistischer Frauen der internationale Gedenktag auf eben jenen 8. März gelegt.

Im Zuge des Kalten Krieges wurde nach einer alternativen Herleitung jenseits sozialistischer bzw. kommunistischer Vorgeschichte gesucht. So wurde ein spontaner Streik von Textilarbeiterinnen in New York am 08.03.1857, der daraufhin von der Polizei blutig niedergeschlagen wurde, als entscheidendes Ereignis gesehen, dem erstmals 1907 gedacht wurde. Selbst HistorikerInnen aus aller Welt sprechen hier von einer konstruierten Legende, deren Zweck die Loslösung des Datums von seinen sowjetischen Wurzeln ist.

In einer dritte Version wurde der Tag im Gedenken an 129 Arbeiterinnen gewählt, die am 8.März.1908 in Streik traten um bessere Bedingungen zu erreichen und eingesperrt in ihrer Fabrik in den Flammen ums Leben kamen, als aus unerklärlichen Gründen die ganze Halle abbrannte.

1910 wurde dann auf den Vorschlag von der deutschen Sozialistin Clara Zetkin in Kopenhagen auf der II. Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz die Einführung eines Internationalen Frauentages beschlossen, der erstmals daraufhin am 19.03.1911 in 5 Ländern stattfand.

Als 1918 auf Initiative der sozialistischen und bürgerlichen Frauenbewegung das Wahlrecht erkämpft werden konnte, wandten sich die Frauen in der Zwischenkriegszeit vermehrt sozialen Problemen zu, Themen wie Legalisierung des Schwangerschaftsabbruches, mehr rechtlicher Schutz, Sicherung der Existenz und Senkung der Preise wurden öffentlich diskutiert.

Im II. Weltkrieges wurde jeder Widerstand, jedes andere Gedankengut, egal ob kommunistisch – sozialistisch oder wie auch immer, und damit natürlich auch der 8.März verboten. An dessen Stelle trat der Muttertag, der dem nationalsozialistischen Mutterideal eher entsprach.

Nach dem II. Weltkrieg gab es einen geografisch beeinflussten unterschiedlichen Umgang mit dem Internationalen Frauentag. Im Osten wurde mit den Feiern zum Frauentag, der gesellschaftlichen Befreiung der Frau, bereits 1946 wieder begonnen. Im Westen hingegen gab es lange Zeit gar keine Veranstaltungen, der Frauentag verkam zu einem allgemeinen Feiertag für Frauen ohne viel Hintergrund. Erst durch die neue Frauenbewegung in den 60ger Jahren wurde der Kampf wieder aufgenommen, neues Engagement für Gleichheit, Sicherheit, Recht der AusländerInnen, uvm entflammte.

1975 erkannten die Vereinten Nationen den 8. März als Internationalen Frauentag an. Seither ist nicht nur die Zahl der Veranstaltungen und teilnehmenden Ländern ins Unermessliche gestiegen, sondern auch der behandelte Themenkreis stets erweitert worden, auszugsweise Schwerpunkte: 2003 Bessere Bildung für Mädchen, 2004 AIDS-Erkrankung unter Frauen, 2006 Rolle der Frau in politischen Entscheidungsprozessen, 2007 Strafbarkeit von Gewalt gegen Frauen und Mädchen.

Was bleibt für das Jahr 2008?

„Bildung, Geld, Macht, Aufstieg: Wer sich anstrengt, bekommt all das.“ So hat man es den Frauen versprochen. Bisher war es ein fauler Deal, also ein ums andere Mal bleibt die Forderung nach der Erfüllung einst leerer Versprechen.

Bei der Betrachtung der heutigen Lage für Frauen in Österreich lassen sich eklatante Unterschiede in mindestens drei Bereichen aufzeigen, beginnend mit der Einkommensschere zwischen Mann und Frau. Als wären die 3 % an unterschiedlichem Lohn für Mann und Frau in Malta nicht genug, ist der Prozentsatz in Österreich fast 7x so hoch, nämlich bei 20 %, weibliche Führungskräfte verdienen um 27 % weniger als männliche Kollegen, von der unterschiedlichen Lohneinstufung am Anfang des Arbeitsverhältnisses gar nicht erst zu reden.

Was Bildung betrifft dachte Frau eigentlich, den richtigen Weg gefunden zu haben, eine neue Generation an zielstrebigen, jungen, frechen und selbstbewussten Mädchen zog aus, um die Welt zu erobern – das deutsche Magazin SPIEGEL nannte das Phänomen die Alphamädchen Generation. Doch unterm Strich blieb eine ernüchternde Bilanz, obwohl 2007 54,4 % der Universitätsabschlüsse an weibliche Studentinnen gingen, beträgt der Anteil an Professorinnen 13,7 % und es gibt in Österreich exakt eine Rektorin.

Karrieretechnisch können folgende Behauptungen getroffen werden:

  1. Wo Frauen in Männerdomänen einen Beruf ergreifen, wird der einst ehrbare Beruf degradiert, siehe LehrerInnen und SekretärInnen.
  2. Frauen stellen generell zu niedrige Ansprüche. Sprechen Männer sofort von der Pole-Position, wollen ihr eigener Chef sein, fügen Frauen ihrem Berufswunsch ein –assistentin dazu.
  3. Ein beruflicher Aufstieg ist auf Grund der Gläsernen Decke nicht nur unangenehm sondern meist auch schlechter bezahlt, ein Motivationskiller.

Der Internationale Frauentag wird weltweit zelebriert um an vergangene Kämpfe von Frauen für das Wahlrecht und Co zu erinnern, aber auch um gleichzeitig mit Nachdruck aufzuzeigen, dass wir Frauen im Prinzip unseren Teil des Deals erfüllt haben, jedoch wo bleibt die Gegenleistung?



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