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The Golden Land of Myanmar!?
Mit diesem Slogan bewirbt die staatliche Internetplattform das südostasiatische Land Burma/Myanmar. Für die Verfolgten – ethnische Minderheiten, Studierende, DemokratInnen – gilt dieser Slogan nicht. (Text: Tobias Orischnig)
Mit 678.500 km² Fläche und rund 47 Millionen EinwohnerInnen ist Burma/Myanmar eines der größten Länder Südostasiens. Seit 1824 waren große Teile Burmas/Myanmars britische Kolonie und Teil des indischen Königreiches und wurde am 4. Jänner 1948 offiziell unabhängig. Doch wie vor allem auch in den ehemaligen Kolonien in Afrika und im Nahen Osten war das politische Gebilde Burma/Myanmar eine reine Kopfgeburt, auserdacht auf den Landkarten der ErobererInnen und ZerstörerInnen. So leben auf dem heutigen Staatgebiet rund 153 verschiedene Ethnien und es werden 97 Sprachen aus sechs verschiedenen Sprachfamilien gesprochen - die BurmesInnen machen davon nur ca. 2/3 der Gesamtbevölkerung aus. Auch aus diesem Grunde wurde der alte Name „Burma“ von der regierenden Militärjunta in „Myanmar“ abgeändert, um die koloniale Vergangenheit abzustreifen und den Vielvölkerstaat Myanmar zu begründen. Doch abgesehen von dieser offiziellen Umbenennung, hat sich die politische Situation in Burma/Myanmar nicht geändert: Seit Mitte der 60er Jahre des letzten Jahrtausends regieren mehr oder minder repressive Militärjuntas das Land, versklaven Kinder zum Kriegsdienst und erheben die Hand vor allem gegen abtrünnige Ethnien im Landesinneren. So müssen heute etwa ein Viertel aller weltweit leidenden KindersoldatInnen ihre „Pflicht“ bei militärischen und paramilitärischen Einheiten auf allen Flanken der Konflikte in Burma/Myanmar tun. Über 3000 Dörfer ethnischer Minderheiten wurden in den letzten Jahren zerstört, die Menschen mussten in bewachte Dörfer umsiedeln.
8-8-88-Bewegung
Nach schweren Ausschreitungen nach dem 8. 8. 1988 wurden freie Wahlen für das Jahr 1990 versprochen, die mit einem Wahlsieg (406 von 489 Parlamentssitzen) der National League for Democracy (NLD) endeten. Da das Militär aber dieses klare demokratische Votum der Bevölkerung nicht akzeptieren konnte, durfte das Parlament nie zusammentreten. Die Generalsekretärin der NLD Aung San Suu Kyi steht seither schon mehr als 10 Jahre unter Hausarrest und konnte auch nicht das Land verlassen, als ihr 1991 der Friedensnobelpreis für ihre Bemühungen um die Demokratisierung Burmas/Myanmars verliehen wurde. Die Militärjunta erklärte ihrerseits, dass das Parlament nicht zusammenkommen könne, solange es keine neue Verfassung gäbe und lud zu einer Nationalen Versammlung zur Erarbeitung einer neuen Verfassung ein. Diese Versammlung wird allerdings von den meisten Oppositionsgruppen boykottiert, eine neue Verfassung scheint nicht in Sicht zu sein. Die Universitäten des Landes waren Ende der 90er Jahre für mehrere Jahre geschlossen, weil sich der Demokratisierungsdrang vor allem auch auf den Unis manifestierte. So mussten viele Organisationen, wie etwa auch die All Burma Students League, ihre Lager im benachbarten Indien aufbauen. Viele Studierende kamen bei ihrem Kampf für die Demokratie ums Leben oder befinden sich immer noch im Gefängnis oder im Exil. Aufsehen erregte Burma/Myanmar Ende letzten Jahres, als die Militärregierung völlig überraschend die Hauptstadt des Landes von Rangun nach Pyinmana ins Landesinnere verlegte, wohl auch um vor Unruhen in der Großstadt Rangun sicherer zu sein. Ebenfalls in den Medien konnte man die Diskussion in der Vereinigung südostasiatischer Länder (Association of Sout-East Asian Nations; ASEAN) verfolgen, da Burma/Myanmar den Vorsitz der ASEAN turnusmäßig übernehmen sollte, was aber nach großer internationaler Kritik unterlassen wurde.
Internationale Isolation
So ist Burma/Myanmar heute weitestgehend international isoliert, in vielen Bereichen gibt es wirtschaftliche Sanktionen gegen das Land. Multinationale Konzerne (u. a. die französische TotalFinaElf) haben sich vor einigen Jahren für die reichen Erdgasvorkommen interessiert, mussten aber ihre Vorhaben aufgrund breiter medialer Proteste wieder einstellen. Auch im Tourismus gibt es einen internationalen Boykott, der nur eine Zeit lang von der österreichischen Lauda Air ignoriert wurde. Das internationale Interesse an der Menschenrechtssituation in Burma/Myanmar war aber durch die unterschiedlichen NGOs, die für die Demokratie kämpfen, derart groß, dass die Kampagnen gegen Tourismus in Burma/Myanmar erfolgreich waren. Auch die Argumente, dass Tourismus der Bevölkerung helfen und das System von Innen heraus destabilisieren könnte, wurden entkräftigt. So lebt etwa in Burma/Myanmar nur ein verschwindend geringer Teil der Bevölkerung vom Tourismus, viele Hotels und TouristInnenangebote sind staatlich organisiert und finanzieren somit direkt oder indirekt die herrschenden Militärs. Nähere Infos zu internationalen Kampagnen finden sich unter: www.burmacampaign.org.uk.
Aktionen vor Ort
Auch in Österreich gibt es ein Netzwerk von Vereinen und Menschen, die sich unter dem Namen www.austrianburmacenter.at (ABC) zusammengefunden haben, um auf die desaströse Lage in Burma/Myanmar aufmerksam zu machen. Die Südtiroler Organisation „Helfen ohne Grenzen“ ist im humanitären Bereich tätig und plant unter anderem auch den Burma Day 06 am 30. September in Bozen. Am 19. Juni 2006, dem Geburtstag der Nobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi, findet gemeinsam mit dem Rennerinstitut Tirol, dem VSStÖ-Innsbruck und dem Austrian Burma Center eine Veranstaltung im SP-Sitzungssaal im 4. Stock, Eingang ÖGB Innenhof (am Bahnhof) statt. Beginn dieses Vortrages ist 19:30 Uhr, der Eintritt ist natürlich gratis!
Kontakt
VSStÖ Innsbruck
Viaduktbogen 115
A-6020 Innsbruck
ibk@vsstoe.at
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