VENEZUELA Wohin?
Vortrag und Diskussion mit Oscar Contreras
am Donnerstag, 25.Nov.2010, 19.00 Uhr HS 2 GeiWi
Ausbildung als Rechtsanwalt und weiterführende Studien in politischer Ökonomie. Berufliche Tätigkeit im Rechnungshof des Staates Apure und als Jugendrichter.
Gründungsmitglied und Sprecher der Nationalen Bauernfront Ezequiel Zamora und der Revolutionären Strömung Bolivar und Zamora. Kandidat der „Bewegung der Volksbasis“ zum nationalen Parlament 2006.
Oscar Contreras zählt zu den politischen Führern der FNCEZ und gilt als Verfasser zahlreicher strategischer Dokumente der Bewegung, wie etwa dem Beitrag der Bauernbewegung zur Verfassungsreform 2007, dem Vorschlag für ein Gesetz zum Ausbau der Volksmacht und einer Methodik für eine revolutionäre kommunale Arbeit.
Oscar Contreras (geboren am 22. November 1963 in Guasdualito, Apure)
Nationale Bauernfront Ezequiel Zamora (FNCEZ)
Der Ursprung der Organisation liegt in den Jahrzehnten des ländlichen Kampfes gegen den Großgrundbesitz in Venezuela. Insbesondere in den Grenzregionen zu Kolumbien waren die armen Bauern häufig Opfer von paramilitärischen Gruppen, die von den „Latifundistas“ angeheuert wurden, um den Kampf um Land zu unterdrücken. Vor der Regierung von Präsident Hugo Chavez – aber selbst unter ihr, wenn auch in deutlich geringerem Ausmaß – wurden die lokalen Landeigentümer von den Militärs unterstützt, die in den Grenzregionen starke Truppen stationiert haben und häufig die Menschenrechte der Bauern systematisch verletzen, da sie diese verdächtigten, Guerillagruppen in der Region zu unterstützen.
Als im Jahr 2000 unter der Regierung Chavez ein Landreformgesetz erlassen wurde, gibt das dem Kampf der Bauern eine neue Dynamik. Im selben Jahr wird die „Revolutionäre Bauernfront Simón Bolivar“ (FCRSB) gegründet. Ausgehend vom Bundesstaat Apure weitet sich ihr Einfluss rasch auf andere Bundesstaaten aus. Um die Agrarreform in die Tat umzusetzen brauchte es immer wieder Druck. Simultane Aktionen in verschiedenen Bundesstaaten und Demonstrationen in der Hauptstadt machen die Bauernbewegung zunehmend bekannt und zu einem Kristallisationspunkt der linken Volksbewegung. Bald schlossen sich ihr Gruppen in den Stadtteilen und der Arbeiterschaft an.
2004 konstituiert sich offizielle die „Nationale Bauernfront Ezequiel Zamora“ (FNCEZ) mit Hauptsitz im Bundesstaat Barinas. Sie organisiert mehrere nationale Bauerntreffen und konzentriert sich in ihrer ersten Phase auf die Umsetzung und Vertiefung der Agrarreform mit Landbesetzungen und der Organisation von Kooperativen.
Sozialistische Modellkooperativen mit kollektivem Landbesitz und gemeinschaftlicher Arbeit werden gegründet. Verstärkt versucht man lokale Produktionskreisläufe zur Verarbeitung und Vermarktung der Produkte zu fördern und die Erzeugnisse auf den staatlichen Lebensmittelmärkten zu verkaufen – als Schritt zur Lebensmittelsouveränität und gegen die Erpressung durch den privaten Lebensmittelhandel.
Die FNCEZ definiert sich als politisch-soziale Organisation, die sich auf kleine und mittlere Bauern, Kooperativen, Landlose und Bauerngemeinden im gesamten Land stützt. Ihr Ziel ist der Kampf um eine Agrarrevolution, die Volksmacht und den Sozialismus. Ihre besondere Rolle sieht sie dabei in einer kooperativen Agrarproduktion als Weg zur Ernährungs-Souveränität des immer noch stark importabhängigen Landes.
Die FNCEZ ist Teil der „Revolutionären Strömung Bolivar und Zamora“ (CRBZ) und unterstützt den bolivarischen Prozess unter Präsident Hugo Chavez. Sie steht für den Druck von unten, damit das Volk zur realen konstituierende Macht im Staat wird, für die Umwälzung der sozialen Beziehungen und die Überwindung des bürgerlichen Staates, sowie für eine sozialistische Gesellschaftsordnung.
Der Kampf der FNCEZ hat viele Opfer gekostet: bis heute sind 250 ihrer Mitglieder ermordet worden. Die meisten dieser Morde und von Menschenrechtsverletzungen gegen die Bauernaktivisten blieben straflos. Dennoch konnte sich die FNCEZ zu einer zentralen sozialen Bewegung in Venezuela entwickeln, die für eine Vertiefung der Veränderungen durch die bolivarischen Revolution steht.
Weitere Informationen und Dokumente finden sich in spanischer Sprache auf der Internet-Seite der FNCEZ: http://www.fncez.net.ve/
Eine gemeinsame Veranstaltung von VSStÖ Innsbruck, Österreichisch-Kubanische Gesellschaft Landesorganisation Tirol, Jusos Tirol und Renner Institut Tirol.