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Vaust global
"Die
Bourgeoisie reißt durch die rasche Verbesserung aller Produktionsinstrumente,
durch die
unendlich erleichterte Kommunikation alle, auch die barbarischsten Nationen
in die Zivilisation.
Die wohlfeilen Preise ihrer Waren sind die schwere Artillerie, mit der
sie alle chinesischen Mauern in den Grund schießt, mit der sie
den hartnäckigsten Fremdenhaß der Barbaren zur Kapitulation
zwingt. Sie zwingt alle Nationen, die Produktionsweise der Bourgeoisie
sich anzueignen, wenn sie nicht zugrunde gehen wollen; sie zwingt sie,
die sogenannte Zivilisation bei sich selbst einzuführen, d.h. Bourgeois
zu werden. Mit einem Wort, sie schafft sich eine Welt nach ihrem eigenen
Bilde."
Die globale Frage ist für uns SozialistInnen genauso grundlegend
wie die Frage nach der
ökonomischen Grundlage des Lebens, arm und reich, oben und unten.
Diese Fragen sind nicht
voneinander zu trennen.
Historische Entwicklung
Die kapitalistische Produktionsweise hat mit ihrem Hunger nach Investitionsmärkten
schon sehr
früh alle Länder dieser Erde in ihren Bann gezogen, so dass
Ende des neunzehnten Jahrhunderts ein Großteil der Welt miteinander
vernetzt war. Doch die imperialistischen Kolonialländer schafften
es nicht, die Machtgier der Bourgeoisie im Zaum zu halten, die im ersten
Weltkrieg gipfelte. Als der Kapitalismus sich so seine Maske vom Gesicht
riß und seine gewaltsame Seite offen zeigte, war der Aufstand
der Massen gegen die Ausbeutung durch das Kapital die logische Konsequenz.
Im Versuch der Abwehr der proletarischen Revolution vereinigten sich
in vielen Ländern Europas Kapital, Militär, Konservative,
Nationalisten und Klerus zu einem unheilvollen faschistischen Gebräu,
dass in Italien mit Mussolini, in Österreich mit Dollfuß,
in Spanien mit General Franco und in seiner extremsten Form in Deutschland
mit Adolf Hitler an der Spitze den Kontinent in den Abgrund führte.
Nach der Befreihung Europas durch die Allierten kam es erneut zur Konfrontation,
diesmal
zwischen dem Kapitalismus im Westen und dem Realsozialismus im Osten.
Trotz Erfolgen im
antikolonialen Befreiungskampf schafften es die progressiven Kräfte
nicht, den Kapitalismus zu
überwinden und so ertönte in den 90er Jahren das Lied vom
"Ende der Geschichte", in denen der Kapitalismus als Sieger
hervorgegangen sei.
Globalisierung und Entwicklung des Kapitalismus
Wir sind jedoch überzeugt, dass die gegenwärtige "Globalisierung"
nur ein weiterer Schritt auf dem Weg zu einer umfassenden "Kapitalisierung"
der Welt ist. Waren davon im 19. Jahrhundert vor allem Rohstoffe und
Industrie betroffen, werden in der Gegenwart zunehmend Dienstleistungen
von allgemeinem Interesse privatisiert. Auf der Suche nach globalen
Wettbewerbsmärkten werden Wasser, Kommunikation, Gesundheit und
Bildung zu Gütern im kapitalistischen Wettbewerb. Durchgesetzt
wird dies über internationale Organisationen wie die Welthandelsorganisation
(WTO), der Weltwährungsfond (IMF) oder die Weltbank. In diesen
Organisationen haben die kapitalistischen Kräfte – globale
Konzerne, Kapitalfonds, Banken und reiche Einzelpersonen – auf
Grund der undurchsichtigen Strukturen noch mehr Einfluss als in die
Nationalstaaten. Auch die Europäische Union trägt nach innen
zu einer weiteren Wettbewerbsverschärfung bei und setzt nach außen
ihr wirtschaftliches Gewicht zur Unterdrückung der schwachen Staaten
ein. Zwar konnte die globalisierungskritische Bewegung kleinere Erfolge
erzielen, doch können bereits heute weltweit – besonders
in den ärmeren Ländern – die Folgen der Liberalisierungspolitik
und die Auswirkungen auf die Ärmsten der Armen beobachtet werden.
Die Schere zwischen arm und reich öffnet sich weiter beständig.
In der Bekämpfung dieser globalen Ausbeutung gibt es Lösungen
und Irrwege. Die Irrwege gehen materiell den Weg der kapitalistischen
Globalisierung weiter, vernebeln aber gleichzeitig das Bewusstsein der
Menschen mit sozialen Konstrukten wie dies bereits in der ersten Hälfte
des 20. Jahrhunderts passiert ist.
Nationalismus und Faschismus
Einer
dieser Irrwege ist das erneutes Erstarken von Nationalismus und Faschismus
wie er in vielen Ländern Europas zu beobachten ist. In Italien,
Österreich und den Niederlanden sind rechtsextreme Parteien bereits
an die Macht gekommen. Ein Phänomen, das sich in diese Gruppe einreiht,
ist die Erstarkung eines ultrareligiösen Nationalismus, wie er
vor allem in den USA oder in Saudi-Arabien zu beobachten ist. Die sozialdemokratischen
Parteien setzten dem wenig entgegen und ziehen sich hinter dem Argument
zurück, der "Sachzwang des Standortwettbewerbes" lasse
ihnen keine Wahl.
Sie entziehen den Menschen die Hoffnung auf eine bessere Welt und treiben
sie so in die Arme von rechten Populisten und Nationalisten.
Wir fordern deshalb eine Bekämpfung von Rassismus und Faschismus
nicht nur auf einer idellen
Ebene, in Sonntagsreden und Festansprachen. Wir fordern alle progressiven
Kräfte auf, sich global gegen den Kapitalismus zu stellen und so
die materielle Grundlage der Verblendungsideologien aufzuheben.
Nationale Union nein – solidarische Welt ja
Wir warnen auch vor den Sirenen, welche die Europäische Union als
Lösung propagieren. Die EU
hat keine gemeinsame Sozial- oder Steuerpolitik und setzt durch die
Liberalisierungsvorgaben die Staaten einem Wettbewerb aus, der zwangsläufig
zu einem Abbau der Erfolge des Sozialstaates führen muss. Um die
Menschen bei der Stange zu halten, wird gleichzeitig auf einen neuen
europäischen Nationalismus gesetzt. Die EU-Außengrenzen werden
verschärft und die Aussagen europäischer PolitikerInnen gipfeln
in der Forderung nach Inhaftierung von Flüchtlingen in Lagern an
der Nordküste Afrikas oder den Beschuss von Flüchtlingsbooten
durch die Marine. Schließlich wird mit der neu gewonnen wirtschaftlichen
und militärischen Stärke ganz bewusst Großmachtpolitik
betrieben und eine Aufrüstung für eine weltweit einsetzbare
Armee angestrebt.
Die Teilnahme am Irakkrieg wurde in Deutschland und Frankreich nur durch
wahltaktische bzw.
ökonomische Interessen verhindert, während eine Vielzahl von
EU-Ländern sich dem illegalen
Angriffskrieg anschlossen. Abseits der öffentlichen Berichterstattung
wird etwa in Afrika ganz
offen eine neo-koloniale Politik auch militärisch betrieben. Aus
diesen verschiedenen Gründen
lehnen wir auch den derzeitig im Umlauf befindlichen EU-Verfassungsvertrag
ab und fordern dafür ein offenes und solidarisches Europa als Antwort
auf kapitalistische Globalisierung, westlichen Imperialismus und nationalistischen
Extremismus.
Am Ende bleibt die Frage: Was tun?
Dies können und wollen wir nicht abschließend beantworten.
Vielmehr gibt es eine ganze Reihe
von Strategien, die an die historischen Umstände angepasst werden
müssen.
Philosophie der Praxis
Als StudentInnen und WissenschaftlerInnen liegt unsere erste Aufgabe
in der weitergehenden
Erforschung der globalen Strukturen von Ausbeutung und Unterdrückung.
Das Aufzeigen
hegemonialer Strukturen umfasst ein weites Feld, dass bei den kapitalistischen
Produktionsverhältnissen beginnt, über die politischen Herrschaftsstrukturen
im Nord-Süd-Konflikt weiter zu imperialistischen Kriegen bis in
Bereiche wie hegemoniale Diskurse in Print- und Fernsehmedien vorstößt.
In der Folge kommt es darauf an, genau diese hegemonialen Strukturen
zu überwinden. Auch diese Aufgabe teilt sich wieder in eine theoretische
und eine praktische.
Unsere theoretische Aufgabe besteht darin, aufbauend auf den historischen
Strukturen die
Möglichkeiten einer Veränderung hin zu einer besseren Welt
auszuloten; d.h. wir müssen sowohl
die Struktur einer besseren Welt als auch den Weg dahin erörtern.
Hierbei können wir auf Arbeiten verschiedener TheoretikerInnen
der letzten zwei Jahrhunderte aufbauen. Praktisch müssen diese
Wege dann bestritten werden.
Durchbrechung hegemonialer Diskurse
Diese kann auf der ideellen Ebene beginnen, in dem die bestehenden Hegemonialstrukturen
öffentlich gemacht werden, sowohl im studentischen Alltag, in der
Freizeit wie auch in politischen
Organisationen. Hegemoniale Diskurse an den Universitäten müssen
gebrochen werden, damit
„wissenschaftliche ExpertInnen“ nicht weiterhin als ideologische
Untermauerung politisch
konservativer Kräfte dienen können. Ähnliches gilt auch
in allen anderen gesellschaftlichen
Bereichen, wo kommuniziert wird.
Globale Zusammenarbeit
Um unsere Kräfte zu bündeln, ist eine verstärkte Zusammenarbeit
aller progressiven Menschen auf globaler Ebene unumgänglich. Dies
beginnt bei der Schaffung von Netzwerken zwischen den
politischen Organisationen und muss Schritt für Schritt auch jene
politischen Institutionen –
angefangen bei der ÖH bis hin zu Staaten und Staatengruppen –
erfassen, die zu einer progressiven Entwicklung fähig sind. Hierin
liegt eine weitere – organisatorische – Aufgabe.
Überwindung kapitalistischer Produktionsverhältnisse Letztlich
wird es aber darauf ankommen, die Produktionsverhältnisse zu verändern,
sprich sowohl die Ausbeutung der proletarischen Klasse durch eine kapitalistische
Minderheit als auch die Ausbeutung der südlichen Peripherie durch
das westliche Zentrum aufzuheben. Ob für diese Veränderung
die Übernahme der Macht in den politischen Institutionen ausreicht,
aus denen heraus die Produktionsverhältnisse geändert werden
könnten, kann an dieser Stelle nicht beantwortet werden.
Übernahme der politischen Macht
Schaden kann die Übernahme der politischen Ebene durch progressive
Kräfte beim derzeitigen
Stand des Kapitalismus allerdings nicht, wie die Erfolge von progressiven
politischen Projekten
zeigen. Die neue Selbstbehauptung der lateinamerikanischen Staaten unter
Führung der
sozialistischen Regierungen in Venezuela, Brasilien, Argentinien und
Kuba gegen einen westlichen Wirtschaftsimperialismus kann Vorbild für
die Überwindung der neokolonialen Strukturen sein.
Aus dem Grund ist es unsere Aufgabe, diese Projekte zu stützen,
in dem wir imperialistische
Gegenmaßnahmen – etwa die Einladung des nationalistischen
kolumbianischen Präsidenten ins EU-Parlament oder Boykottandrohungen
bei internationalen Regierungstreffen – delegetimieren. Den Schön-Wetter-Reden
auf G8-Gipfeln und WTO-Treffen zur Armutsbekämpfung muss eine reale
Alternative entgegengestellt werden. Diese sehen wir im globalen demokratischen
Sozialismus – und dafür müssen alle gemeinsam kämpfen,
in den Universitäten, in den Fabriken, in den Medien, den Parlamenten
und auf der Straße.
Für eine freie, gleiche, solidarische und gerechte Welt!
Mit weniger geben wir uns nicht zufrieden.
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