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Politics

Eliteunis sind keine Lösung sondern das Problem!

In den letzten Monaten geisterte im österreichischen Bildungsdiskurs ein neues Schlagwort herum, nämlich die Schaffung von „Eliteuniversitäten“. Was steckt hinter dieser Debatte?

Was bis jetzt geschah...

Was anfänglich noch wie ein reichlich absurdes und unkoordiniertes Sommermanöver des SPÖ-Parteivorsitzenden Alfred Gusenbauer gewirkt hat, wächst sich nun zur nächsten bildungspolitischen Katastrophe heran. Nach diversesten führenden SPÖ-PolitikerInnen applaudieren nun die Regierungsparteien und freuen sich über den sozialdemokratischen Paradigmenwechsel von Seiten des Parteivorsitzenden. Der bis jetzt letzte Akt in dieser hochschulpolitischen Schmierenkomödie wurde von Ministerin Gehrer mit der Schaffung einer „Arbeitsgruppe Elite-Uni“ eingeläutet, deren Aufgabe es sein soll, ein Konzept für eine österreichische Eliteuniversität bis zu diesem Jahresende zu erstellen. Worauf allerdings diese Debatte fußt soll im folgenden geklärt werden.


Elite - Eine Begriffsdefinition

Der Begriff Elite ist immer damit verbunden, dass eine kleine Minderheit aus sozialen, begabungs- oder leistungsbezogenen Gründen über einer großen Mehrheit von Menschen steht, die nicht die selben „natürlichen“ Voraussetzungen mitbringen. Der Ruf nach Eliten war und ist damit immer mit Ausgrenzung und Auslese verbunden.
Gerade durch die vom Neoliberalismus mitgebrachte und propagierte Logik des „natürlichen und zwingenden“ Wettbewerbs wird das seit Mitte des 20. Jahrhunderts bestehende Bekenntnis zur Schaffung von Gleichheit in der Gesellschaft unterminiert und umgekehrt. Herstellung von Gleichheit wird nicht mehr als gesellschaftspolitisches Ziel erkannt, sondern der Ruf nach Elitenbildung und Elitenförderung (meist aus ökonomischem Sachzwang argumentiert) wird laut. Bildungsökonomisch unterliegt diese Diskussion der absolut falschen Annahme, dass eine überhöhte Förderung einiger Weniger - entweder Begabter oder sozial besser Situierter - einen größeren gesellschaftlichen Nutzen hat, als eine möglichst gleichberechtigte und gerechte Förderung der Masse.

Elitendiskussion im Bildungskontext

An den Universitäten und im restlichen Bildungsbereich äußert sich die Elitendiskussion anfänglich vor allem dadurch, dass aufgrund der finanziellen Unterausstattung der Universitäten und der großen Studierendenzahl in den meisten Studienrichtungen weder qualitativ hochwertige Lehre noch Forschung möglich ist. Und ganz ehrlich: Wer von uns würde diese Aussage nicht sofort unterschreiben?
Nur der Schluss, der aus dieser Debatte gezogen wird, ist ein trügerischer: Anstelle der Forderung nach angemessener Finanzierung und der damit verbundenen Qualitätssteigerung im Bildungsbereich für alle, wird die Forderung nach einer Beschränkung des Zugangs der Massen und einer Förderung der „besten Köpfe“ vorgebracht. Der Sachzwang Budgetnot schafft sich seine eigene Realität. Alternativen zu einer Beschränkung des Bildungszugangs werden mit dem Argument „unfinanzierbar“ abgeschmettert. Dass qualitativ hochwertige Bildung sehr wohl finanzierbar ist und eine Frage von budgetpolitischer Prioritätensetzung, wird tunlichst verschwiegen. Internationale Beispiele, wie jenes der skandinavischen Bildungspolitik zeigen jedoch, dass offener Bildungszugang und qualitativ hochwertige Bildung keine Frage von Budgetdefiziten ist. Hohe öffentliche Finanzierung und freier Zugang sind in diesen Fällen die Hauptmerkmale der Bildungssysteme. Das schlägt sich auch auf die Wirtschaftsdaten nieder. Bei fast allen Indikatoren stehen diese Länder besser da als Österreich.

Gerade in Österreich spitzt sich diese Diskussion in den letzten drei Jahren zu: Einerseits wurde der Hebel der sozialen Selektion im Bildungssystem durch die Studiengebühren fester angezogen, andererseits wird der Diskurs in letzter Zeit immer mehr in Richtung leistungsbezogene Zugangsbeschränkungen beziehungsweise Selektion innerhalb des Studiums (siehe Medizinstudium) geführt. Diese Maßnahmen entsprechen genau dem neoliberalen Bild einer deregulierten Gesellschaft von „EinzelkämpferInnen“ oder eben einer neuen Elite, die im Sinne des „survival of the fittest“ reüssiert.
Im neoliberalen Sinn werden Bildungskosten als „Investitionen“ umdefiniert und damit erhöht sich der Druck auf das Bildungssystem quantifizierbare und schablonenhafte LeistungsträgerInnen herbeizuführen. In diesem Kontext ist auch die Verschiebung der Studienpläne zugunsten des dreigliedrigen Studiums (Bakkalaureat – Magister/Master – Doktor) zu verstehen: In möglichst kurzer Zeit eine möglichst breite Masse akademisch marktgerecht „aus- 'bilden' (Bakkalaureat) und den sozialen bzw. Leistungs-Eliten ein weiterführendes Studium zu ermöglichen. Die Debatte geht deshalb in manchen Ländern, so auch in Österreich in die Richtung, das Bakkalaureatsstudium gebührenfrei zu gestalten. Im Gegensatz dazu sind weiterführenden Studien mit sehr hohen Studiengebühren, Knock-Out-Prüfungen bzw. hoher Notenselektion zwischen den Abschnitten geplant.
Die Stoßrichtung des Elitemotivs geht dahin, die gesellschaftliche Akzeptanz für Zugangsbeschränkungen oder für exklusive Privatunis, die nur einer Minderheit zur Verfügung stehen, zu stärken. Oft wird als Argument ins Treffen geführt, die Förderung weniger erzeugt einen größeren gesellschaftlichen Nutzen, als eine gleiche Förderung vieler. Die „Krise der Hochschulen“ wird dahingehend gedeutet, dass es für die „wirklich leistungsfähigen und –willigen schwerer geworden ist, sich durchzusetzen. Daraus resultiert, dass in der Elitendiskussion das Bildungssystem mit der politischen Struktur der Gesellschaft verbunden wird. Innovation bedeutet demnach marktförmig verwertbares Wissen, das sich an der heutigen Arbeitsmarktlage orientiert. Hier fehlt eine Diskussion über die Entwicklung unserer Gesellschaft.

Bildung als Befreiung

Für eine demokratische Gesellschaft ist es notwendig bildungsdiskriminierende Effekte abzubauen. Gleichheit der Menschen bedeutet nicht weniger Leistung, im Gegenteil, aus der Gleichheit entwickelt sich Vielfalt.
Auf den für eine Demokratie unerlässlichen emanzipatorischen Effekt von Bildung sei hier ebenfalls verwiesen. Aber Bildung ist mehr. Sie ist der Motor für gesellschaftliche Veränderung und Fortschritt. Durch einen offenen Zugang wird sozialer Aufstieg erst möglich. Sowohl die technologischen als auch die politischen Umwälzungen der letzten Jahrhunderte wurden erst durch den verbreiterten Bildungszugang ermöglicht. Ziel einer modernen Bildungspolitik sollte daher nicht die Reproduktion und Abschottung von Eliten sein, sondern ein freier und gleichberechtigter Zugang zu Wissen und Bildung um politischen, sozialen und technologischen Fortschritt und Veränderung zu ermöglichen.
Die Mär von der Unfinanzierbarkeit öffentlicher Dienstleistungen ist nichts als systematisch verbreitete Propaganda. Unsere Gesellschaft wird, wie uns die Wirtschaftsentwicklung bzw. das konstante Wirtschaftswachstum der letzten Jahrzehnte zeigt, von Jahr zu Jahr reicher und leistungsfähiger. Dieser steigende Reichtum ließe sich leicht für die Finanzierung hochwertiger Bildung heranziehen. Jedoch wurden diese gesellschaftlichen Gewinne in den letzten Jahren durch massive Steuersenkungen im Bereich der Kapital- und Gewinnsteuern an die Elite der Kapital- und StiftungsbesitzerInnen „umverteilt. Die breite Masse schaut durch die Finger.

 

 

 

 

 

 

 

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